Seit über 30 Jahren führt Roger Wagner die Tierarztpraxen in Karben und Bad Vilbel. Vor mehr als einem Jahr hat er seine Gemischtpraxis an VetPartners verkauft. Im Interview spricht er über die Entscheidung, die Integrationsphase und darüber, was sich verändert hat und was bewusst gleichgeblieben ist.
Herr Wagner, erzählen Sie uns etwas über sich und Ihre Praxis.
Ich bin seit 1991 Teil des Führungsteams der Tierarztpraxen Karben und Bad Vilbel, über zehn Jahre davon als alleiniger Inhaber. Die Praxis in Karben besteht seit 110 Jahren. Wir sind eine Gemischtpraxis mit Schwerpunkt Kleintiere. Uns ist das Persönliche wichtig, gegenüber unseren Patientenbesitzer:innen genauso wie im Team. Durch die vielfältigen fachlichen Schwerpunkte im Team haben wir einen intensiven Austausch und ein breites Leistungsspektrum. Das macht unseren Alltag sehr abwechslungsreich.
Was macht die Vielfalt einer Gemischtpraxis für Sie besonders reizvoll? Und wo liegen die Herausforderungen?
Besonders reizvoll finde ich die Artenvielfalt: Neben den klassischen Klein- und Großtierarten versorgen wir auch Igel, Wildtiere oder Kameliden. So wechseln sich Praxisalltag und Einsätze im Stall und auf dem Land ab – bei den Außeneinsätzen nehme ich die Jahreszeiten noch ganz bewusst wahr. Herausfordernd ist die dafür nötige Wissensvielfalt. Langweilig wird der Beruf dadurch jedenfalls nie.
Wann haben Sie begonnen, über die Zukunft Ihrer Praxis und einen Partner wie VetPartners nachzudenken?
Als mein damaliger Partner in den Ruhestand ging, wurde mir klar: Mit etwa 60 Jahren muss ich die grundsätzliche Entscheidung über die Zukunft der Praxis treffen. Da kein Nachfolger in Sicht war, habe ich mir verschiedene Investorengruppen und Netzwerke näher angeschaut.
Was war Ihnen bei dieser Entscheidung besonders wichtig? Für sich selbst, Ihr Team und Ihre Patienten?
Vor allem die größtmögliche Eigenständigkeit der Praxis, ein gutes Teamgefühl und Arbeitsplatzsicherheit für die Mitarbeitenden. Genauso wichtig war mir eine weiterhin familiäre Betreuung von Patienten und Besitzer:innen, Diagnostik und Therapie ausgerichtet an den Bedürfnissen der Tiere und den Möglichkeiten der Besitzer:innen und der Erhalt der Individualität und Freiheit der Praxis.
Gab es anfangs Unsicherheiten? Was hat Ihnen das Vertrauen gegeben, diesen Schritt zu gehen?
Eine gewohnte Selbstständigkeit in ein anderes System zu überführen, ist natürlich mit Unsicherheit verbunden. Im ersten Gespräch mit einer großen Investorengruppe habe ich schnell gemerkt, wo für mich Grenzen liegen, die ich nicht überschreiten möchte. Das hat mir geholfen, klarer zu sehen, worauf es mir wirklich ankommt.
Was hat VetPartners für Sie von anderen Optionen unterschieden?
Ein authentisches Konzept, das sehr klar zu meinen eigenen Vorstellungen passte: Therapie- und Diagnostikfreiheit ohne Vorgaben von außen, der Erhalt der Individualität der Praxis und das Tier sowie die Mitarbeitenden im Vordergrund, nicht das Monetäre. Die Ansprechpartner und die Führungsebene bei VetPartners sind selbst erfahrene Tierärzt:innen. Von Anfang an war der Umgang respektvoll und auf Augenhöhe.
Wie haben Sie die Zeit erlebt, in der Ihre Praxis Teil von VetPartners geworden ist?
Die Integrationsphase wurde von VetPartners stets gut begleitet, auch wenn wir zeitweise personell unterbesetzt und dadurch gefordert waren. Dabei habe ich erlebt, dass VetPartners ein verständnisvoller, unterstützender und herzlicher Partner ist. Die Zusammenarbeit mit dem Zentralen Team macht wirklich Freude. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement von VetPartners im Tierschutz. Dres. Niklas Bürgener und Felix Bürgener haben uns bei einem Arbeitseinsatz in einem Tierheim in Bulgarien, das ich seit elf Jahren betreue, tatkräftig vor Ort unterstützt.
Wie hat Ihr Team auf die Veränderung reagiert?
Mir war von Anfang an wichtig, das Team einzubeziehen, deshalb gab es schon vor dem Schritt zu VetPartners offene Gespräche mit allen. Als sich VetPartners dann bei uns vorstellte, war schnell klar: Unsere Erwartungen an ein Netzwerk werden erfüllt.
Was hat sich verändert, was ist bewusst gleichgeblieben?
Am Arbeitsalltag hat sich für mich und das Team wenig verändert. Klarer strukturiert haben wir Arbeitsfelder und Verantwortlichkeiten. Bewusst gleich geblieben sind die Individualität unserer langjährigen Praxis, unsere Handlungsfreiräume sowie die Therapie- und Diagnosefreiheit. Deutlich erweitert haben sich dagegen der Fortbildungsrahmen und der Austausch mit anderen Praxen im Netzwerk – eine große Unterstützung gerade bei besonderen Fällen.
Wo erleben Sie heute die größte Unterstützung durch VetPartners?
Bei Investitionen, im Personalmanagement, in der Fortbildung, bei der Arbeitssicherheit und im Einkauf. Auch bei Themen wie Datenschutz, Dokumentation und Digitalisierung hatten wir stets eine Ansprechperson an der Seite, das macht die Umsetzung deutlich einfacher als zuvor. Wir haben für die Groß- und Kleintierpraxis gleichermaßen unter anderem in den Ultraschallbereich investiert, was unsere diagnostischen Möglichkeiten stark verbessert hat.
Wie haben Ihre Tierhalter:innen die Veränderung erlebt?
Anfangs wurde der Übergang zu VetPartners vom Großteil unserer Tierhalter:innen kaum wahrgenommen. Ein gutes Zeichen dafür, wie wenig sich für sie verändert hat. Wir kommunizieren aber offen, dass wir jetzt Teil eines größeren Netzwerks sind, und heben besonders die zusätzlichen Fortbildungsmöglichkeiten hervor. Negative Rückmeldungen gab es bislang so gut wie keine.
Welchen Rat würden Sie Kolleg:innen geben, die über diesen Schritt nachdenken?
Machen Sie sich klar, was Ihre eigenen Ziele sind, und achten Sie darauf, dass die Schnittmenge mit dem künftigen Partner möglichst groß ist. Klären Sie in Vorabgesprächen, ob es sich um bloße Versprechen oder um authentische Zusagen handelt. Die Zufriedenheit von Verkäufer:in und Team hängt nicht nur am Preis. Meist arbeitet man ja weiterhin in derselben Praxis und möchte sich dort mindestens genauso wohlfühlen wie vorher.
Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre? Und welche Rolle spielt VetPartners dabei?
Ich freue mich darauf, dass die Tierarztpraxen Roger Wagner auch künftig für das stehen, wofür sie seit gut 100 Jahren stehen: Das Tier im Vordergrund, Menschlichkeit im Team, Freundlichkeit gegenüber den Besitzer:innen. Da das auch die Ziele von VetPartners sind und die Praxen ihre Individualität behalten, sehe ich genau darin die größte Unterstützung. Unsere Mitarbeitenden können sich fachlich weiterentwickeln, notwendige Investitionen werden unkompliziert umgesetzt und die Herzlichkeit im Miteinander wird uns auf diesem Weg sicher begleiten.